Modigliani - Revolution des Primitivismus - Albertina

Seit 17. September ist in der Albertina “Modigliani. Revolution des Primitivismus” zu sehen. Es ist eine umfassende Schau von über 80 Werken von Amedeo Modigliani, der durchaus als wichtiger Künstler des 20. Jahrhunderts bezeichnet werden kann.

 

Bildhauerei

Ein erster Schwerpunkt der Ausstellung ist die bildhauerische Phase Modiglianis im frühen 20. Jahrhundert. Zwischen 1909 und 1914 entstanden zahlreiche Skulpturen, die von der Kunst Picassos oder Gauguins inspiriert waren. In dieser Zeit bildete Modigliani seine typischen Stilmerkmale heraus, die dem Primitivismus zuzuordnen sind und ihre Vorbilder in der afrikanischen und kykladischen Plastik fanden. Modiglianis Ziel war die Zusammenstellung eines “Tempel der Wollust” und damit einhergehend eine Abwendung vom europäischen Ideal.

 

Künstlerische Einflüsse

Besonders spannend ist die Gegenüberstellung Modigilianis mit den Künstler der Pariser Avantgarde, der Pablo Picasso oder André Derain zugeordnet werden. Wie Modigliani war auch Pablo Picasso an der afrikanischen Kunst und Formensprache interessiert und lebte sich bildhauerisch aus. Die archaischen und außereuropäischen Skulpturen der beiden Künstler fanden schließlich Eingang in ihre Malerei, wie es die Ausstellung ausgezeichnet zur Schau bringt.

Einen großen Einfluss auf das Schaffen von Modigliani hatte des Weiteren Constantin Brancusi, der die Technik der “taille directe” für seine bildhauerischen Werke gebrauchte. Von 1909 bis 1914 widmeten sich die beiden Künstler dieser Technik zur Anfertigung ihrer Arbeiten.

Auf Anraten von Paul Guillaume, einem bedeutenden Galeristen der Pariser Avantgarde, wandte sich Modigliani 1914 von der Bildhauerei ab und der Malerei zu. Es sind vor allem Porträts, die der Künstler von seinen bildhauerischen Werken auf die Staffelei übertrug und unter anderem klykadische Figurinen darstellen.

Es war schließlich die Zeit um den Ausbruch des Ersten Weltkrieges, die eine bedeutende Phase in Modiglianis künstlerischen Schaffen war. Es waren die Zusammenkünfte in Pariser Cafés mit anderen ausländischen Künstlern, wie Diego Riviera, Max Jacob oder Picasso, die hier zu erwähnen sind.

Die Bildnisse von Riviera und Jacob, die den außergewöhnlichen Stil Modigilianis zeigen, sind ebenfalls Teil der Ausstellung. Die Porträts, festgehalten in zahlreichen Skizzen, wurden dargestellt durch reine Silhouetten und Umrisse. Ein besonderes Merkmal von Modiglianis Porträts waren ironische Beschriftungen und dunkle Ockertöne.

 

Frauenakte

Neben Porträts seiner Künstlerfreunden sind es auch Akte, die Eingang in Modiglianis Gesamtwerk gefunden haben.  Aus besonderer Bewunderung für Frauenakte entstanden bis 1917 25 Werke dieser Kunstrichtung. Bemerkenswert an den Akten Modiglianis sind die Nähe und Präsenz der Abgebildeten. Voyeurismus und Selbstverständlichkeit stehen in ausgeglichener Balance zueinander. Einzig die Darstellung der Schamhaare kann im damaligen Zeitkontext  als Tabubruch gesehen werden. Neben den erotischen Akten widmete sich Modigliani auch Porträts von eleganten Damen, die allesamt an die sitzende Jungfrau Maria erinnern.

 

Modigliani, die Liebe und seine letzten Lebensmonate

Nicht nur Modiglianis künstlerisches Schaffen wird in der Ausstellung umfassend zur Schau gestellt, sondern auch die Beziehung zu Jeanne Hébuterne, seiner großen Liebe. Er lernte sie 1917 kennen und malte sie bis zu seinem Lebensende mehrere Male.  Als eine der wenigen Frauen in seinem Leben teilte sie seine Leidenschaft für das Malen.  Mit ihr floh er, auch aufgrund seines sich verschlechternden Gesundheitszustandes, 1918 in den Süden Frankreichs. In dieser Zeit bildete sich Modiglianis klassiszitischer Stil heraus, bestehend aus langegezogenen Konturen und Pastelltönen. Auch hier ist seine Leidenschaft für archaische und außereuropäische Formensprache zu erkennen. In seinen letzten Lebensjahren porträtierte er mangels profesioneller Aktmodelle Prostuierte. Als bevorzugte Modele fungierte auch nach wie vor seine große Liebe Jeanne. 1919 kehrten Modigliani und Jeanne nach Paris zurück, seine Tuberkulose hat mittlerweile das Endstadium erreicht. Er porträtierte vor allem Menschen aus naher Umgebung. Diese Porträts zeichnen sich durch eine ins Übernatürliche gehende Streckung aus und eine Konzentration auf die Hände des Dargestellten, die für das hart arbeitende Volk stehen sollten. Im Herbst 1919 war der Zeitpunkt gekommen, als Modigliani aufgrund seiner unheilbaren Krankheit nicht mehr arbeiten konnte. 1920 ist er seinem Leiden schließlich im Alter von nur 35 Jahren erlegen, seine Lebenspartnerin Jeanne folgte ihm kurz darauf.

 

Fazit

In der Ausstellung wird Amedeo Modigliani als vielseitiger Künstler präsentiert. Besonders spannend ist der Vergleich mit den Künstlern seiner Schaffenszeit, wie zum Beispiel Picasso. Es zeigt, welchen Einfluss Künstler einer Schaffensperiode aufeinander haben können. Die Schau bringt zum Ausdruck, wie Modigliani sein Kunstverständnis in unterschiedliche Richtungen einbaute und miteinander verwob, So sind neben (christlichen) Poträts weibliche Akte sowie klykadisch inspirierte Bildhauereien zu finden. Spätestens durch diese Ausstellung wird man Modigliani als begnadeten und außergewöhnlichen Künstler kennen und schätzen lernen.


"Modigliani. Revolution des Primitivismus" ist noch bis 9. Jänner 2022 im Albertina Museum zu sehen 

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