Auf Linie - NS-Kunstpolitik in Wien - Wien Museum MUSA

Das Wien Museum MUSA gibt seit 14. Oktober mit "Auf Linie. NS-Kunstpolitik" einen Einblick in die politischen Machtstrukturen, Netzwerke und künstlerische Praxis in der NS-Zeit. Es werden Originalexponate und Dokumente gezeigt, die Aufschluss über das Werk von KünstlerInnen dieser Zeitperiode geben sollen.

 

NS-Kunstpolitik in Wien

Ein markanter Wendepunkt in der österreichischen Geschichte war der Anschluss am 12. März 1938. In der Folge wurden die Kunstvereine gänzlich aufgelöst. Die Reichskammer der bildenden Künste (RdbK) übernahm fortan die Kontrolle über KünstlerInnen und deren Schaffen. Von nun an war eine Mitgliedschaft bei der Rdbk Pflicht und essenziell für eine weitere Ausübung des Berufs. Davon ausgeschlossen wurden Persönlichkeiten jüdischer Herkunft oder jene, die eine andere politische Meinung vertraten. In einem Teil der Ausstellung wird diese bürokratische Hürde für Kunstschaffende unter anderem anhand von 3.000 Mitgliederakten der Reichskammer für bildende Künste in Wien veranschaulicht. 

 

Kunst unter politischem Einfluss

Die Ausstellung ist in der MUSA Stadtgalerie zu sehen und erstreckt sich über mehrere Räume, die in sechs thematische Parts unterteilt sind.

Im ersten Teil wird neben einer kurzen Einführung in die Thematik auf die Oskar-Kokoschka Ausstellung aus dem Jahr 1937 eingegangen. Diese fand anlässlich von Kokoschkas 50. Geburtstag mit einjähriger Verspätung statt und bot einen vielfältigen Einblick in dessen expressives Schaffen. Zu sehen war auch sein "Selbstbildnis mit Stock" aus dem Jahr 1935. Kokoschkas Bitte an die österreichische Regierung seine aus reichsdeutschen Sammlungen geliehene Bilder vom Staat anzukaufen und somit vor einer Vernichtung zu schützen wurde abgelehnt. Im ersten Themenbereich der Schau wird auch die Kunstolympiade behandelt, die 1936 in Berlin ausgetragen wurde. Solche Kunstbewerbe wurden bereits seit 1912 veranstaltet. Für Wiener Künstler stellte dies eine Gelegenheit dar, ihre Arbeiten zum Thema "Sport" im Zuge der XI. Olympischen Kunstspiele in Berlin vorzustellen und sich mit deutschen Kunstschaffenden zu messen. Österreich war durchaus erfolgreich und konnten dank Hermann Kutscheras Entwurf eines Schistadions eine Goldmedaille gewinnen. Im Gesamtranking der Nationenwertung landeten sie hinter den Deutschen auf dem 2. Platz.

Folgt man der Ausstellung in einem der nächsten Bereiche weiter, trifft man auf Hitlers favorisierte KünstlerInnen der Ostmark. Im Jahr 1944 legte Adolf Hitler gemeinsam mit Josef Goebbles, der die Präsidentschaft der Reichskulturkammer und Rechtsminister inne hatte, die sogenannte "Gottbegnadeten-Liste". Diese beinhaltete rund 378 Namen von KünstlerInnen aus allen Genres der bildenden Kunst, Musik oder Literatur. Dem NS-Regime zufolge waren es Kunstschaffende, auf die keineswegs verzichtet werden konnte. Sie waren somit auch vom Kriegsdienst befreit. In dieser Liste befanden sich unter den bildenden Kunstschaffenden 18 aus Österreich sowie der deutsche Bildhauer Fritz Behn, der in Wien tätig war.

Neben der ästhetischen Bildung der "Volksgemeinschaft" erhoffte sich das NS-Regime mit der Kunstproduktion auch einen wirtschaftlichen Aufschwung. Eine bedeutende Rolle spielte hierbei die Etablierung der Marke "Wiener Mode" sowie eine handwerkliche Ausbildung in Wien. Es wurden unter anderem Institutionen, wie das Haus der Mode, der Wiener Kunsthandwerksverein oder die Kunst- und Modeschule, gegründet und von der Stadtverwaltung finanziell gefördert. Von der Politik wurden diverse Wettbewerbe ausgeschrieben sowie Direktaufträge vergeben. Dies beeinflusste das künstlerische Schaffen maßgeblich.

Im letzten Bereich der Schau wird neben der Entnazifizierung nach 1945 auch auf die nationalsozialistische Propaganda in Kunstausstellungen verwiesen. Das Regime nutzte diese ganz bewusst zur Verbreitung ihrer Ideologie. Den Auftakt machte hier das Künstlerhaus mit der Ausstellung "Berge und Menschen der Ostmark" im Jahr 1939. Die darauffolgende antisemitische Wanderschau "Entartete Kunst, Entartete Musik" löste einen wahrlichen Besucherrekord aus. 1941 zelebrierte das Künstlerhaus mit seiner "Jubiläumsschau" sein 80-jähriges Bestehen. Die Ausstellung "Junge Kunst im Deutschen Reich" im Jahr 1943 fand aufgrund einer Veranlassung von Josef Goebbles ein vorzeitiges Ende, da hier Werke gezeigt wurden, die nicht dem Kunstverständnis der NS-Politik entsprachen.

 

Fazit

Dem MUSA ist mit "Auf Linie" eine sehr spannende Ausstellungen gelungen, die den Einfluss des NS-Regimes auf die künstlerische Produktion in Wien zeigt. Dies wird nicht nur anhand von zahlreichen Bildnissen, Ausstellungsplakaten oder Akten der RdbK sichtbar gemacht, sondern auch von Orginaldokumenten. Mitgliederakten der bereits erwähnten RdbK sollen hier beispielsweise das rigide Vorgehen und den Einfluss des NS-Regime auf die Kunstproduktion veranschaulichen.

 

"Auf Linie. NS-Kunstpolitik in Wien" ist noch bis 24. April 2022 im Wien Museum MUSA zu sehen