Serdar Somuncu - GröHaZ - Globe Wien

Mit 2,5 Jahren Verspätung, aufgrund der Pandemie, trat der extrem polarisierende Kabarettist Serdar Somuncu im Globe Wien auf. Wir sind etwas verunsichert darüber, wie detailliert wir darüber berichten sollen (dürfen), denn dieser Künstler überschreitet nicht nur Grenzen, er bewegt sich Lichtjahre davon entfernt und dies auf eine gekonnt provokante, bewusste und intellektuelle Art und Weise.

 

Was wäre Somuncu ohne Adolf Hitler?

Somuncu ist vor vielen Jahren durch ganz Deutschland gereist und hat in Schulen aus 

"Mein Kampf" vorgelesen, um bei jungen Menschen ein Bewusstsein über die Gräueltaten des Nationalsozialismus zu schaffen. Zu dieser Zeit war die Nazi-Bewegung in Deutschland noch viel größer als jetzt. In seinen Programmen geht es zu einem hohen Anteil um das kollektive Denken, wobei er sehr oft Bezug auf den 2. Weltkrieg nimmt. Dies ist das Fundament seiner Karriere und darüber spricht er ganz offen auf der Bühne.

 

"Jeder Minderheit hat ein Recht auf Diskriminierung"

Mit dieser Aussage leitet der Kabarettist das heikle Thema ein. Man kann zum Thema Political Correctness und Cancel Culture, vor allem in der Kunst, stehen wie man möchte. Wenn man Serdar Somuncu einmal gesehen hat, kommt man nicht darüber hinweg, über dieses Thema sehr differenziert nachzudenken. Er hält beiden Welten den Spiegel vor, um deren Absurditäten aufzudecken. Einerseits weist er darauf hin, wie weit verbreitet Intoleranz und Diskriminierung immer noch sind und andererseits fühlt er Vertretern der Political Correctness auf den Zahn, um sich damit zu beschäftigen, wie viel moralische Selbstdarstellung dahinter steckt.

 

Selbst denken verboten?

Seinen Daumen drückt der selbst ernannte Hassias, natürlich auch auf die Spaltung der Gesellschaft, aufgrund der heftigen Themen die uns aktuell beschäftigen. Er spricht darüber, wie es überhaupt soweit kommen kann, dass sich eine Gesellschaft immer weiter auseinander spaltet und welche Mechanismen dahinter stecken. Wie viel Faschismus steckt in unserem aktuellen kollektiven Denken und Handeln? Was ist links und was ist rechts? Ist die Moralideologie der neue Faschismus?

 

Fazit

Wer mal wieder einen Kabarett Abend außerhalb der Wohlfühlzone erleben möchte, sollte sich dieses Programm nicht entgehen lassen. Man erlebt eine Mischung aus extrem vulgären Witzen, gepaart mit tiefgründigen und ernsten Episoden. Es ist fast unmöglich, danach nicht, wie der Künstler es nennt, einen "inneren Reichsparteitag" mit sich zu führen. Das eigene Weltbild wird auf den Kopf gestellt oder zumindest für eine kurze Zeit lang hinterfragt. Für sein Programm braucht man auf jeden Fall die Bereitschaft, die eigenen Werte und Prinzipien für 2 Stunden lang im Wartezimmer zu lassen.

 

 

Autor: René Liball

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