Am 25. Oktober 2025 feierte “Wer hat Angst vor Virginia Woolf?" von Edward Albee Premiere im Theater Scala. In der Inszenierung von Rüdiger Hentzschel zeigt sich eine Ehe mit lakonischer Schärfe, Zynismus und bitterem Humor.
Intensität im Wohnzimmer
In Hentzschels Inszenierung wird das heimische Wohnzimmer zum Schlachtfeld. Die Wohnung gleicht einer Arena, in der Martha und George ihren Frust, ihre enttäuschten Träume und ihre gegenseitige Verachtung offenlegen. Ehe, Alter, Macht, Einsamkeit bewegen sich in einer Atmosphäre, die zwischen Schauspiel und Seelenanalyse schwankt.
Spiel mit Gästen, Masken und Enthüllung
Das junge Ehepaar Nick und Honey wird von Martha und George bewusst ins Zentrum gestellt – als Zuschauer, Opfer und Komplizen. Zu Beginn eher unbeholfen und adaptiv, werden sie rasch Teil eines nicht mehr kontrollierbaren Spiels. Die Grenzen zwischen Gast und Gastgeber, zwischen Spiel und Realität verschmelzen langsam miteinander.
Bühne der Intimität
Die Ausstattung ist eher minimalistisch, bestehend aus einem Wohnzimmertisch, Gläser, Stühlen – und doch entsteht schnell eine „Bühne der Intimität“, in der jedes Wort, jede Geste zur Waffe wird. Hentzschel setzt hier auf Verdichtung: Lichtführung und Bühnenraum wirken eng, fast klaustrophobisch, wodurch sich die Figuren ihrer Masken entledigen und entblößt erscheinen.
Fazit
„Wer hat Angst vor Virginia Woolf?“ am Theater Scala ist eine unversöhnliche Darstellung menschlicher Beziehungen in der Endphase – eine Einladung zur schmerzhaften Reflektion über Macht, Minderwertigkeit, Sehnsucht und den fatalen Rausch des Zusammenseins. Rüdiger Hentzschel verzichtet auf romantische Verklärung und setzt stattdessen auf eine klaustrophobe Klarheit.
Autorin: Isabel Victoria
FotoCredits: Bettina Frenzel

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