Mit ihrer aktuellen Performance SHAYTAN im Kosmos Theater legt die iranische Künstlerin Shahrzad Nazarpour eine vielschichtige Auseinandersetzung mit Identität, Projektion und Fremdzuschreibung vor. In Form einer Lecture-Performance verbindet sie persönliche Erzählungen mit politischem Körperbewusstsein.
Idee des Vornamens
In „SHAYTAN“ greift Nazarpour die Idee des Vornamens, des Körpers und der Projektionen auf. Der Arbeitsansatz der Künstlerin weist auf ein Spannungsfeld hin: Herkunft, Migration, Körperpolitik und künstlerische Reflexion. Das Stück wird als eine Performance verstanden, die mit „jahrhundertelanger Tradition westlicher Fantasien über den Orient“ aufräumt. Das Stück ist weniger Unterhaltung, sondern vielmehr als ein ästhetisches und politisches Experiment zu verstehen.
Im Grenzbereich
In formaler Hinsicht bewegt sich SHAYTAN im Grenzbereich zwischen Vortrag, Performance und Installation. Die Lecture-Performance-Form erlaubt Nazarpour, mit Sprache, Körperbewegung und Raum zu arbeiten, ohne sich an ein tradiertes Drama zu binden. Sprachlich nutzt das Stück unter anderem ironische Brechungen und Alltagsbewegungen. Der Blick zurück auf „jahrhundertelange Fantasien“ weist darauf hin, dass die Sprache sich nicht nur auf persönliche Biografie bezieht, sondern auf kollektive Bilder und Narrative. Eine minimalistische Bewegungssprache unterstützt die Konzentration auf das Symbolische und Reflektive.
Wirkung und gesellschaftliche Relevanz
SHAYTAN entfaltet seine Wirkung im Spannungsfeld von Identitätspolitik, Postkolonialismus und Körperästhetik. Indem Nazarpour den „Vornamen“ und den „Körper“ in den Blick nimmt, markiert sie Bereiche, in denen sich Macht, Zuschreibung und Fremdwahrnehmung verdichten. Damit spricht sie sowohl persönliche als auch strukturelle Dimensionen an. In der heutigen kulturpolitischen Debatte – Stichworte Migration, Diversität, Dekolonisierung – gewinnt eine solche Performance Relevanz: Nicht als Belehrung, sondern als Einladung zur Beobachtung des Blicks selbst. Das Kosmos Theater setzt mit dieser Produktion ein Zeichen für ein Theaterverständnis, das ästhetische Innovation und gesellschaftliche Reflexion verbindet.
Fazit
Mit SHAYTAN gelingt Shahrzad Nazarpour eine eindrucksvolle, vielschichtige Performance, die im Kosmos Theater einen Raum schafft für Reflexion über Körper, Name und Projektion. Die Ästhetik ist reduziert, klar und dennoch reich an Bedeutung – die Sprache ironisch gebrochen, der Blick kritisch. Wesentlich ist nicht nur, was gezeigt wird, sondern wie: Das Stück fragt nach dem Blick, nach der Macht der Zuschreibung, nach dem Körper als Bühne politischer und ästhetischer Arbeit.
Autorin: Isabel Victoria
FotoCredits: 1.: Hannah Fasching; 2.-5.: Bettina Frenzel

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