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Ferdinand Schmalz - Bumm Tschak oder der letzte Henker - Akademietheater

 

Mit seinem neuen Stück “Bumm Tschak oder der letzte Henker", das am 4. September 2025 im Akademietheater Premiere feierte, zieht der österreichische Dramatiker Ferdinand Schmalz erneut die dunkle Linie zwischen Vergnügen und Gewalt auf die Bühne. Unter der Regie von Stefan Bachmann stellt uns dieses “Richtspiel” eine Gesellschaft vor Augen, in der Clubkultur, Todesstrafe und autoritäre Versuchungen unheilvoll kollidieren. 

 

Groteske Clubwelt und autoritäre Versuchung

In „bumm tschak“ entwirft Schmalz eine Vision der nahen Zukunft: Ein Club namens „Schafott“ wird zur Spielwiese für Eskapismus, während draußen die politische Macht eine radikale Wende einleitet – eine Kanzlerin führt die Todesstrafe ein, und ein Henker wird im Club gefeiert. 

Das Stück verknüpft damit die Ästhetik des Ausgehens (Bass, Glamour, Rausch) mit einem bildmächtigen Horrorkontext: Die Feier wird zur Hinrichtung, der DJ zum Vollstrecker. In dieser Mischung aus Party und Justiz wird das Publikum zum voyeuristischen Mitspieler – ein höchst aktueller Spiegel gesellschaftlicher Verführungen und Bedrohungen.

 

Sprache, Form und Inszenierung

Schmalz’ Text ist kein einfaches politisches Stück – er mischt Groteske, Satire und Genreästhetik: Der Begriff „Richtspiel“ im Untertitel signalisiert, dass hier nicht nur gesprochen, sondern inszeniert, geurteilt und exekutiert wird. Regisseur Stefan Bachmann transportier das in eine lautstarke, bildmächtige Bühnenform: Mit Bühne von Olaf Altmann, Kostümen von Adriana Braga Peretzki, Choreographie und Körperarbeit von Sabina Perry sowie musikalischer Leitung von Sven Kaiser entsteht ein ästhetisch dichtes Umfeld der Provokation. Der Text flirtet mit Pop- und Club-Codes – und unterwandert sie zugleich: So wird die Fallbeilmetapher zum visuellen Leitmotiv, der Club zum Gerichtssaal, der Bass zur Hinrichtungssequenz. 

 

Zeitdiagnose und Wirkung

Was macht das Stück zur Zeitdiagnose? Es reflektiert die Anfälligkeit von Gesellschaften für radikale Lösungen und die Überschneidung von Vergnügung und Gewalt. Gerade in unsicheren Zeiten funktioniert Kultur nicht nur als Fluchtort, sondern zugleich als Spiegel der Machtmechanismen – hier wird beides zur Bühne. 

 

Gefühl der Beklemmung 

Doch das Werk bleibt nicht in simplen Moralismen stecken: Schmalz lässt seine Charaktere ambivalent, seine Bilder irritierend, die Stimmung diffus – sodass das Publikum sich eher befragt sieht als belehrt. Diese Unruhe, dieses Gefühl der Beklemmung, macht den Reiz der Aufführung aus.

 

Fazit

„bumm tschak oder der letzte henker“ verbindet die Ästhetik von Clubkultur mit einer radikalen politischen Imagination, verhandelt Macht, Rausch und Gewalt in einer Weise, die nachhallt. Unter der Inszenierung von Stefan Bachmann im Akademietheater entsteht ein Theaterereignis, das sowohl unterhält als auch beunruhigt – und damit genau jene Stimmung trifft, in der wir uns gerade befinden. 

 

Weitere Termine und Tickets

Autorin: Isabel Victoria

 

FotoCredits: Tommy Hetzel

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