Bereits im Februar 2025 fand die Österreich-Premiere von “Ellen Babić” in der Inszenierung von Thomas Jonigk im Akademietheater statt. Es ist ein feinnerviges und gesellschaftlich brisantes Kammerspiel des zeitgenössischen Dramatikers Marius von Mayenburg.
Wahrheit und Macht
“Ellen Babić” entfaltet sich als psychologisch dichtes Kammerspiel: Die beiden Frauen Astrid und Klara, langjährige Partnerinnen, werden an einem Abend von Wolfram, Astrids Vorgesetzten, besucht. Anlass des Treffens ist ein schwerwiegender Vorwurf: Es geht um die angeblichen Übergriffe auf eine Schülerin namens Ellen Babić. Im Spielraum von Wohnzimmer, Wein und widersprüchlichen Erinnerungen entwickelt sich ein #MeToo-Drama, in dem Macht, Schuld, Wahrheit und Manipulation die zentralen Themen sind.
Komplexe Figuren im moralischen Labyrinth
Mayenburgs Text verzichtet auf einfache Kategorisierungen zwischen Täter*innen und Opfer. Die drei Figuren stehen im Zentrum eines beunruhigenden Spiels um Deutungshoheit: Wer lügt? Wer schützt sich selbst? Und wer hat wirklich die Macht – über Sprache, über Wahrheit, über gesellschaftliche Wahrnehmung? Dass hier ausgerechnet eine Frau im Zentrum des Vorwurfs steht, bricht stereotype Erwartungshaltungen auf und provoziert Reflexion über Machtverhältnisse jenseits konventioneller Täter-Opfer-Logiken.
Intime Nähe und psychologische Spannung
In Jonigks Inszenierung treffen intime Nähe und psychologische Spannung aufeinander. Statt dramaturgischer Erleichterung durch klare Antworten setzt die Regie auf ein labyrinthisches Spiel der Perspektiven: Die Wahrheit bleibt stets unscharf, die Figuren in Bewegung zwischen Anschuldigung und Verteidigung.
Fazit
“Ellen Babić” im Akademietheater ist nicht narrativ kriminologisch, sondern pointiert psychologisch angelegt. Das Stück hält das Publikum in einem atmosphärischen Spannungsfeld zwischen Misstrauen, Moral und Empathie.
Autorin: Isabel Victoria
FotoCredits: Monika Rittershaus

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