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Oliver Laric - Schwellenwesen - Kunsthistorisches Museum

 

Mit “Schwellenwesen” präsentiert das Kunsthistorische Museum Wien eine faszinierende Sonderausstellung des österreichischen Künstlers Oliver Laric in der Antikensammlung. Die Schau versammelt digitale und physische Skulpturen, die an der Grenze von Antike und Gegenwart agieren – Hybridformen, die sich dem klassischen kunsthistorischen Kanon entziehen und gleichzeitig tief in dessen Geschichte verwurzelt sind. Inmitten römischer Originale treten Larics Figuren selbstbewusst als Vermittler zwischen Vergangenheit und Zukunft auf und eröffnen neue Sichtweisen auf bekannte Mythen, Kategorien und kulturelle Bedeutungen.

 

 

Zwischen Mythos und Material

Im Zentrum der Ausstellung stehen hybride Figuren, die Merkmale unterschiedlicher biologischer, mythologischer und symbolischer Kategorien vereinen. Ausgangspunkt der Arbeiten ist ein digitaler 3D-Scan antiker Skulpturen, der zur Grundlage für Larics Neuschöpfungen wird. Diese Schwellenwesen sind in ihrer Erscheinung gleichsam rätselhaft wie verführerisch: Sie können Mensch und Tier, Gott und Sterblicher, antike Ikone und digitales Artefakt zugleich sein. Durch ihre Präsenz im musealen Raum fordern sie traditionelle Ordnungen heraus.

 

Dialog zwischen traditioneller Antike und digitaler Gegenwart

Larics Praxis bewegt sich zwischen Original und Reproduktion, Vergangenheit und Gegenwart. Seine Objekte stehen weder als Kopien noch als bloße Referenzen neben den alten Meisterwerken der Antikensammlung. Vielmehr eröffnen sie einen lebendigen Dialog: Die digital generierten Formen spiegeln die ambivalenten Bedeutungen der antiken Vorbilder, stellen zugleich aber auch Fragen nach dem heutigen Umgang mit Bild-, Form- und Bedeutungsproduktion im digitalen Zeitalter. 

 

Zwischen Offenbarung und Verunsicherung

Die Ausstellung “Schwellenwesen” zeigt, wie Digitalisierung nicht als bloßes Werkzeug der Reproduktion, sondern als produktives, künstlerisches Instrument verstanden werden kann. Laric nutzt die Möglichkeiten des 3D-Scannings und -Drucks, um traditionelle Monumentalität aufzubrechen und neue Materialität zu schaffen. Dadurch lädt die Schau zur Reflexion über den Zustand unserer kulturellen Identität ein: Was ist Original? Was Kopie? Wie verändern neue Technologien unser Verhältnis zur Geschichte und zur Kunst? Diese Fragen bleiben nicht im theoretischen Raum, sondern manifestieren sich unmittelbar im physischen Erlebnis der Werke

selbst.

 

Fazit

"Schwellenwesen" ist keine Ausstellung über unser kulturelles Erbe, sondern ein Kommentar dazu. In der Antikensammlung des KHM begegnen sich nicht nur Zeitalter, sondern auch Denkweisen: klassische Skulpturtradition trifft auf digitale Bildhauerei, stumme Ikonen treffen auf vieldeutige Wesen. Larics hybride Figuren eröffnen einen mehrdimensionalen Raum, in dem Grenzen aufweichen und neue Perspektiven entstehen.

 

Weitere Informationen

 

 

Autorin: Isabel Victoria

 

FotoCredits: KHM-Museumsverband/Tom Ritter

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