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Mark St. Germain - Die Tanzstunde - Kammerspiele der Josefstadt

 

Am 17. Jänner 2026 fand die Premiere von Mark St. Germains charmantem Schauspiel „Die Tanzstunde“ statt. Damit präsentieren die Kammerspiele der Josefstadt ein Stück, das auf den ersten Blick leichte Unterhaltung verspricht und bei genauerer Betrachtung tief in menschliche Befindlichkeiten eintaucht. In der Regie von Folke Braband, mit André Pohl und Katharina Klar in den Hauptrollen, entsteht ein fein verwobener Theaterabend über Kommunikation, Bewegung und die Kunst, sich selbst zu finden.

 

Zwischen Logik und Lebenslust 

Im Zentrum von “Die Tanzstunde" steht der Geowissenschaftler Ever Montgomery, ein Mann, dessen Welt aus Zahlen, Regeln und klaren Formeln besteht. Für Ever, der im Autismus-Spektrum lebt, ist die alltägliche Interaktion herausfordernd - körperliche Nähe und Blickkontakt sind ihm genauso fremd wie der Rhythmus der Tanzmusik. Als ausgerechnet die Teilnahme an einer Preisverleihung von ihm verlangt, zu tanzen, gerät er an seine persönliche Grenze. Auf der anderen Seite steht Senga Quinn, eine Tänzerin, deren Karriere durch eine schwere Verletzung stillzustehen droht. Das unverhoffte Aufeinandertreffen dieser beiden Figuren führt zu überraschenden Einsichten. 

 

Spiel mit Klischees

Die Inszenierung lebt von ihrem sensiblen Spiel mit Gegensätzen: Ever und Senga reflektieren nicht nur körperliche Bewegung, sondern auch emotionale Öffnung. André Pohl gelingt es, mit subtiler Körpersprache und einem fast komödiantischen Timing die Unbeholfenheit seines Charakters auszuloten. Katharina Klar verleiht Senga eine Mischung aus Energie und Verletzlichkeit, die der Figur Tiefe und Wärme gibt. Die Bühne, als schlichtes New Yorker Apartment eingerichtet, wird zum intimen Raum, in dem Worte, Berührungen und die Musik der Tanzschritte gleichermaßen Gewicht gewinnen.

 

Mehr als nur ein Tanz

Obwohl “Die Tanzstunde" formal eine Komödie bleibt, schafft sie es, vielschichtige Themen zu berühren: das Ringen um Verständnis zwischen Menschen, die Sehnsucht nach Verbindung und die Angst vor dem Unbekannten. Gleichzeitig öffnet das Stück einen subtilen Blick auf das Autismus-Spektrum und Non-Konformität in unserer sozialen Welt, ohne je belehrend zu wirken.

 

Fazit

 

“Die Tanzstunde” in den Kammerspielen ist ein kluges Stück, das mit Witz, Herz und einer gehörigen Portion Menschlichkeit überzeugt. Regie, Ensemble und Inszenierung finden einen gemeinsamen Ton, der das Publikum mit einem warmen Blick auf die Herausforderungen und Wunder zwischenmenschlicher Begegnungen entlässt. 

 

Weitere Termine und Tickets

 

Autorin: Isabel Victoria

 

FotoCredits: Christian Wind

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