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Johann Nestroy - Zu ebener Erde und erster Stock" - Burgtheater

 

Am 29. Jänner 2026 fand im Burgtheater die Premiere von „Zu ebener Erde und erster Stock“ in der Inszenierung von Bastian Kraft statt. In dieser Neuinterpretation trifft die alte Wiener Lokalposse auf zeitgenössische Bühnenästhetik, und der von Nestroy skizzierte Auf- und Abstieg von Glück und Besitz wird zur Plattform für einen vielstimmigen visuell-akustischen Diskurs. 

 

Visuelle Opulenz

In Krafts Regie ist das Bühnenbild ein aktiver Erzähler. Die Idee, zwei Stockwerke simultan zu zeigen wird hier in ein kaleidoskopisches Zusammenspiel von realer Spielfläche und Projektionen verwandelt. Die dominante weiße Bühnenwand dient als Projektionsfläche, auf der knallige Comic-ähnliche Bilder und flirrende Effekte auftauchen und wieder verschwinden. Dieses visuelle Vokabular lässt das Stück wie eine Graphic Novel auf der Bühne erscheinen, in der Realität und Virtualität miteinander verschränkt werden. 

 

Neue Rhythmen, alte Fragen

Kraft bleibt in seiner Deutung zwar der sozialen Dialektik des Originals verpflichtet, erweitert diese aber durch rhythmische Elemente aus Musik, Gesang und Bewegung. Live-Musiker und ein Ensemble voller Energie verweben Nestroys Couplettradition mit gegenwärtigen Klangfarben, die bis hin zu Pop-Anleihen reichen. 

 

Zwischen Slapstick und Gesellschaftssatire 

Die Figuren agieren zwischen Slapstick und Gesellschaftssatire; die komischen Momente entstehen nicht nur durch Wortwitz, sondern durch kontrastreiche Darstellung der Gegensätze In manchen Momenten wirkt dieser dichte Mix überbordend, doch er spiegelt die Unruhe einer Gegenwartsgesellschaft, in der soziale und kulturelle Codes gleichermaßen rasant verschoben werden. 

 

Fazit

„Zu ebener Erde und erster Stock“ am Burgtheater ist ein pulsierendes, bildstarkes Theaterereignis, das Nestroys Gesellschaftssatire ins Heute transponiert. Visuelle Überfülle, musikalische Lebendigkeit und ein lakonisch scharfer Blick auf soziale Mechanismen machen diese Aufführung zu einer ästhetisch ambitionierten Interpretation.

 

 

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Autorin: Isabel Victoria

 

FotoCredits: Tommy Hetzel

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