Im Rahmen der Wiener Festwochen zeigte das Performancekollektiv Gob Squad mit „Doppelgänger/Doppelganger“ in der Halle G des MuseumsQuartiers seine neueste Arbeit. Die Produktion verwandelt eine scheinbar harmlose Geburtstagsfeier in ein vielschichtiges Experiment über Identität, Erinnerung und stellt die Frage, wer eigentlich die Kontrolle über unsere Geschichten besitzt.
Im Spiegelkabinett der Erinnerungen
Ausgangspunkt ist die Rekonstruktion einer familiären Geburtstagsfeier, inspiriert von Fotos, Videos und Erinnerungen aus der Jugend der Ensemblemitglieder. Doch was zunächst wie ein nostalgischer Rückblick erscheint, entpuppt sich rasch als fragile Konstruktion. Rollen verschieben sich, Perspektiven überlagern einander, und die Frage nach Authentizität verliert zunehmend an Bedeutung. Gob Squad beweist, dass Erinnerung vor allem ein permanenter Prozess des Neuerzählens ist.
Wechselspiel zwischen Original und Abbild
Der Titel des Stücks verweist auf das zentrale Motiv des Doppelgängers. Identitäten vervielfachen sich, werden kopiert, gespiegelt und neu zusammengesetzt. Die PerformerInnen übernehmen fremde Rollen, lösen sich davon und beziehen dabei immer wieder das Publikum in das Geschehen ein. Dadurch entsteht ein faszinierendes Wechselspiel zwischen Original und Abbild. Gob Squad interessiert sich weniger für die Suche nach dem „wahren Selbst“ als für die Erkenntnis, dass Identität stets aus Begegnungen, Projektionen und Zuschreibungen entsteht. Daraus entsteht eine ebenso humorvolle wie philosophische Reflexion über Selbstbilder in einer Zeit permanenter Selbstdarstellung.
Zwischen Party, Performance und Utopie
Visuell und dramaturgisch bewegt sich „Doppelgänger/Doppelganger“ zwischen Familienfest, Endlosschleife und surrealer Traumlandschaft. Kamerabilder, Live-Performance und spontane Publikumsinteraktionen verschmelzen zu einer Inszenierung, die bewusst mit Kontrollverlust arbeitet. Die Feier gerät zunehmend aus den Fugen, verschiedene Stimmen kämpfen um Aufmerksamkeit, und aus dem privaten Erinnerungsraum wird ein kollektiver Denkraum. Schlussendlich öffnet diese Performance den Blick auf die Frage, wie Gemeinschaft entsteht und welche Geschichten wir miteinander teilen wollen.
Fazit
Mit „Doppelgänger/Doppelganger“ gelingt Gob Squad eine ebenso intelligente wie berührende Auseinandersetzung mit Erinnerung, Identität und Gemeinschaft. Die Performance verbindet autobiografisches Material mit spielerischer Publikumsbeteiligung und entwickelt daraus ein vielschichtiges Theatererlebnis, das lange nachwirkt. Statt eindeutige Antworten zu liefern, lädt die Produktion dazu ein, die eigenen Geschichten und Selbstbilder kritisch zu hinterfragen. Ein Abend, der beweist, dass die spannendsten Begegnungen oft jene mit den vielen Versionen unserer selbst sind.
Autorin: Isabel Victoria

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