Mit „My Fierce Ignorant Step“ präsentiert der griechische Choreograf Christos Papadopoulos im Rahmen des ImPulsTanz Festivals eine Arbeit, die sich dem Spektakulären konsequent entzieht und gerade dadurch ihre Wirkung entfaltet. Papadopoulos entwickelt einen Abend, der den ersten Schritt ins Unbekannte zum Ausgangspunkt einer eindringlichen tänzerischen Reflexion macht.
Bewegung als kontinuierlicher Prozess
Bereits zu Beginn wird deutlich, dass Papadopoulos nicht an narrativen Entwicklungen interessiert ist. Stattdessen untersucht er Bewegung als kontinuierlichen Prozess des Werdens. Die TänzerInnen setzen vorsichtige Schritte, tasten sich aneinander heran und entwickeln aus kleinen Verschiebungen ein komplexes Geflecht gemeinsamer Rhythmen. Die Choreografie setzt nicht auf Höhepunkte, sondern auf kontinuierliche Verdichtungen.
Individuum und Kollektiv
Charakteristisch für Papadopoulos ist sein Interesse am Verhältnis von Individuum und Kollektiv. Die TänzerInnen wirken wie ein Organismus, dessen Struktur sich permanent verändert, ohne jemals auseinanderzufallen. Dabei entwickelt sich eine stille Spannung zwischen Eigenständigkeit und Synchronisation. Niemand führt sichtbar, dennoch entstehen gemeinsame Bewegungsmuster mit beinahe natürlicher Selbstverständlichkeit.
Präzision statt Effekt
Auch die visuelle Gestaltung folgt dem minimalistischen Konzept. Licht, Raum und Klang schaffen keine spektakulären Bilder, sondern eröffnen einen Resonanzraum für Bewegung. Die musikalische Ebene verstärkt den Eindruck eines stetigen Pulses. der sich dem Tempo der TänzerInnen anpasst und eine hypnotische tranceähnliche Wirkung hat. Papadopoulos vertraut darauf, dass choreografische Präzision allein genügend Kraft besitzt, um Aufmerksamkeit zu binden.
Fazit
„My Fierce Ignorant Step“ ist keine Produktion, die auf unmittelbare Effekte setzt. Vielmehr fordert sie dazu auf, Bewegung in ihrer Entstehung zu beobachten und den Wert des Unsicheren neu zu denken. Christos Papadopoulos gelingt eine ebenso konsequente wie poetische Choreografie, die aus kleinen Gesten große Wirkung erzielt.
Autorin: Isabel Victoria
FotoCredits: 1.: Panos Kefalos; 2.-4.: Pinelopi Gerasimou for Onassis Stegi

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